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Ulmer Laufnacht 2011




Sie:

Nachdem ich gestern noch Halsschmerzen hatte und mich fiebrig fühlte, geht es mir heute zum Glück wieder bestens. Körperlich bin ich heuer nicht besonders gut vorbereitet (nur rund 30-40 Wochenkilometer, der längste Lauf hatte gerade einmal 38km und der liegt auch schon wieder ein paar Wochen zurück), mental dabei umso besser: ich schaue mir die Strecke nochmals an und denke tatsächlich „So weit ist es eigentlich gar nicht…“Am späten Nachmittag holt mich Jürgen ab. Er wird dieses Jahr auch mitlaufen, d.h. ich habe keinen Radbegleiter und auch keinen persönlichen Fotografen, wobei letzteres angesichts meines Trainingszustands vielleicht sogar besser ist ;-)

Er:

oh je, viel zu wenig trainiert, Triathlon: Schwimmtraining und dafür 2 Lauftage geopfert, ob das gut geht? Was soll´s, letztes Jahr den Bieler geschafft, nun der 100er vor der Haustür....






Sie:

In Blaustein sind die besten Parkplätze bereits belegt, dafür gibt es in der Halle noch gute Plätze auf den Matten. Wir holen unsere Startunterlagen und das Funktionsshirt, auf denen nur noch der Finisher-Aufdruck fehlt.Ich lasse mir noch den Nacken tapen und entscheide mich für ein pinkfarbenes Tape, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Kleidungsfrage noch völlig offen ist ;-)Nach dem Spätzleessen heißt es hinlegen, dösen, um 21 Uhr zum Briefing, dann wieder dösen… und dabei im Hinterkopf stets die Frage „Was ziehe ich bloß an?“

Er:

Startunterlagen holen, und gleich die Crew-Sabine getroffen, riesige Freude, bekommen die Unterlagen, das F.- shirt. F steht hoffentlich für Finisher? Wir machen es uns gemütlich auf den Matten. Nur nicht zuviel herumlaufen! Vergeutete Energie! Spare in der Zeit und Du hast´s in der Not, also nichts tun..."Schbäzle-party" und wieder Nachschlag....






Er:

wie wird das Wetter? diese Frage -öfters gehört, für mich aber unheimlich wichtig ist der: Speiseplan, wann, wo, was - im Hirn einprägen...kurz vor dem Start ein Glühen des Ballons....






Sie:

Als wir dann kurz vor 23 Uhr am Start stehen, friere ich, meine Wahl war also richtig (wer am Start nicht friert ist definitiv zu warm angezogen), außerdem passt mein gelbes Shirt perfekt zum Pink des Tapes ;-)Jürgen und ich wollen zumindest am Anfang gemeinsam laufen und auf 12 Stunden angehen. Doch was macht ER? Er RENNT los, ja, er SPRINTET fast und ist mir schon im Stadion einige Meter enteilt. Wir sind doch hier nicht beim Münsterturmlauf !;-)

Er:

...und nun geht´s los, mit fetzigem, knallendem Feuerwerk, ich laufe etwas frei, bleib am Rand stehen und geniese das Himmelsschauspiel, wo ist die Sabine?....finden uns dann wieder nach dem Stadion...






Sie:

Die ersten 40km läuft es richtig gut. In Markbronn vermisse ich die Kuhglocken vom letzten Jahr – da kam fast Biel-Stimmung auf -, inzwischen ist es schon Samstag, Jürgen ist bekannt wie ein bunter Hund, kennt Hinz und Kunz, ständig ruft es „Ja Hansi, Du schon wieder!“, in Erbach gibt es endlich etwas zu essen (hatte schon Hunger),

Er:

...wir laufen auf 12h, 10km in 1h10, bei der Ersten Verpflegung zieht Sie das Tempo etwas an, mit der Begründung "sind wir so weit hinten?" noch ein paar Radler, und viele Becher auf der Straße. Endlich - Erbach in Sicht, aber zuerst geht es den Schlossberg hinauf, und da steht der Kollege Michael -extra für mich?..Merci!.ja-jetzt sieht´s noch gut aus, runter ins Stadion,da höre ich wieder eine Stimme " ...Du schon wieder hier?!" der DLRG-Michl, jo - Sonntag zuvor den Erbacher Tri bewältigt, Ultraschwimmen 1,5km; er wünscht uns noch alles "Gude" .weiter und eine Schleife von 400Meter auf der Bahn dann Essen fassen!Lecker Kuchen!...






Sie:

in Donaustetten brennen wieder die Kerzen, die Zeit und die Kilometer fliegen dahin.

Er:

...anlaufen und nach Donaustetten, viel Teer, oder eigentlich nur Teer! oh, im Lichtkegel jogge ich einfach vor mir her und plötzlich erscheit die "Landebahn" schööööön!...und da ist was los....






Er:

...Kollege Heinzi, will mich mal wieder zum Bier einladen,  bleibe jedoch beim "ohne Alk", noch ein kleines Absitzerle in der H-Schauggl und dann geht´s wieder weiter...Servus Heinzi... jetzt wird es kälter, leicht fröstelig an den Händen, somit Handschuhe an....






Sie:

Von Wiblingen bis ins Donaustadion laufe ich alleine, vor allem an der Iller ist es sehr einsam. Im Stadion holt mich Jürgen wieder ein, wir laufen zusammen weiter

Er:

...wir kommen in Kloster Wiblingen an, das Tempo kann ich nicht so richtig halten, sage Sabine, "Du brauchst auf mich nicht warten - lauf Dein Tempo" ...Man(n) tut das weh! -mental! An der Iller ist es richtig dunkel - Birne Stufe 2 schalten, brauch mehr Licht! vorbei mit dem "schbara", es rollt besser - oder ist es die Dunkelheit, die nackte Angst, ein riesen Viech kommt plötzlich aus dem Unterholz, ich hörs auch rascheln....Tempo machen!.....Im SSV Stadion Sabine wieder getroffen, Halbzeit! gemeinsam nehmen wir die letzten 50 km in Angriff und es dämmert...(Richard F. wartete hier seit "Stunden" auf mich, ich kann aber keine 4,5min/1km auf 50km laufa und so verpassen wir und, aber Merci!)...






Sie:

Für mich kommt jetzt der schwierigste Teil der Strecke, ganz besonders das Stück zwischen der Thalfinger Brücke und der Abzweigung nach Oberelchingen ist hart. Doch anders als für Dieter Baumann ist für mich Gehen beim Laufen KEIN Tabu.

ER:

...der Damm an der Donau entlang, guter Untergrund, bei mir läuf tes wieder gut,Sabine überholt, doch bei Elchingen biegen wir auf die Autobahn (Teerwägla) oh-oh..und so durchqueren wir Unter-, oder Ober- und wieder Unter-Elchingen,oder anders herum? bei KM 60 weiß ich das nicht mehr so genau.Ich trabe fast lustlos auf der Autobahn und siehe da, ein Pfennig auf der Straße - sorry Cent wir haben ja Oiro, überlege wie ich auf den Boden komme und wie komme ich wieder nach oben? also weiter LLLLL (langer Lauf luschd los laufa)....













Sie:

Also gehe ich. Danach läuft es wieder ganz gut bis zur Napoleonrampe, wo wahrscheinlich die meisten gehen müssen. Hier hole ich Jürgen wieder ein.

ER:

Denke an Bernd "relativ" seine Worte: "wer über 8h läuft -  darf die Napoleon-Rampe auch wandern" gut, daß ich das nicht mehr schaffe,(nicht mal mehr mit einem Töff) aber dafür schafft mich die Rampe! Sabine überläuft mich!...






Sie:

Beim Kloster gibt es Brühe und Kaffee. Ab hier wird es leichter, teils auch, weil ich jetzt überwiegend gehe, was mich nicht anstrengt und beim jetzigen Zustand meiner Oberschenkelmuskulatur vielleicht sogar schneller ist als Laufen. An das Stück zwischen Thalfingen und Kesselbronn kann ich mich gar nicht erinnern. War ich da überhaupt? War wohl „in meinem Lauf“…

Er:

...Kloster in Sicht, Sonne, es ist hell und warm und ich sehne mich nach nen`Pott Cofy! denn "ohne Cofy kahn i net kämpfa" die Helfer/innen (alle Stationen) unheimlich freundlich, nett und entgegenkommend. Frühstück in Deutscheland, unsere Wünsche werden gleich erfüllt herzlichen Dank dafür!! Sabine drängelt....ich könnte hier noch ne "Weile" bleiben..hänge mich an Sabine, mit dem Becher Cofy in der Hand...Thalfingen runter-Kressbronn wieder "nauf", dafür schöne "Wägla"....






Sie:

Bei km 70 haben zwei ältere Herren wieder ihren privaten Versorgungsstand eingerichtet. Echt klasse! Der Abstand bis zur nächsten offiziellen Versorgung ist doch sehr groß. Besten Dank Euch!Als ich den Posten verlasse, läuft Jürgen gerade ein.

Er:

...komme bei KM 70 an, privater Stand, Klasse!!! riesiges Dankeschöööön von meiner Seite! ziehe mir schon ein dunkles Zuckerwasser (Chola) runter. Meine Mitläuferin schon wieder weg ( die hat doch gar nicht so viel trainiert?- wie macht Sie das blos?) Ich bin doch der "Krägg"?...laufe (unbewußt) langsam weiter... die Autobahnen zieeeeehen sich ins unendliche...aber jetzt mal den Schnitt und Schritt erhöhen, ich ziehe, wahrscheinlich ist es die reichhaltige Verpflegungs-Station "Jungingen" die mich ansaugt....






Sie:

Ich schaue mich immer mal wieder nach ihm um, kann ihn aber nicht mehr sehen. Und dann ist er in Jungingen doch plötzlich wieder da! Hat er abgekürzt? ;-) Er meint, ich müsse mich nächstes Jahr nicht nach einem Radbegleiter umsehen, er werde hier nicht mehr laufen (hätte ich mir das doch nur schriftlich geben lassen!) und der K-78 sei ein Scheißdreck gegen das hier (das Thema K-78 hatten wir doch letztes Jahr an genau dieser Stelle schon einmal! Ich glaube, den muss ich jetzt doch auch endlich einmal laufen ;-) ).

Er:

...angekommen beim "Gaumenschmaus Jungingen"...he-he Sabine wieder eingeholt, was die Vorfreude auf ein lecker Essen erreichen kann. Erst einmal hinsetzen auf die Bank, gleich kam eine freundliche "Kellnerin" und fragt mich was ich will. Sehr, sehr aufmerksam. Hier wird man als Kunde noch geschätzt...mal die 2011 Gemüsebrühe und eine Butterbrezel, wurde mir am den "Tisch" serviert- 5* von mir! Sabine läuft weiter-mach mal. Meine Beine müde!, Beine brauchen Pause!Beine schwer! Blei Schuhe? Wieso läuft sich der K78 so "einfach"? beim Essen durchs Buffet reden wir uns ein, daß wir eigentlich schon gefinisht haben, noch 5km -Pille-Palle-und dann noch die letzten 20 - das schaffen wir doch...Brezel in die Weste und weiter.....ahhhhh! - das aufstehen uff anlaufen doppel uffffff! (sitzen war einfacher)...laufe, nein! eher langsam joggen, an den "Zwei Türmen" vorbei.....






Sie:

An der Wilhelmsburg gibt es eine gemeine Streckenänderung: statt gleich in den Graben hinunterzulaufen, bleibt man zunächst oben und läuft dann einen steilen Stich hinab, an dessen Ende man dann zu allem Überfluss abrupt bremsen muss, um nicht in den Versorgungsstand zu rennen. Aber egal, jetzt ist es sowieso so gut wie geschafft, es sind ja nur noch 20 hügelige Kilometer bis ins Ziel…Berg runter lasse ich es laufen – das tut zwar weh, ist aber wenigstens nicht anstrengend -, ansonsten gehe ich meist.

Er:

...endlich angekommen in der Wilhelmsburg. Hier ist die Entscheidung, da wird gekämpft, Kopf gegen Körper, die letzte große Schlacht, Abbruch oder weitere Qualen, lange Qualen, 20 km Leiden?! bei mir meldet sich aber zuerst der Magen, etwas warmes braucht der Hansi! Brühe 1 und 2 mal runter, da ein Häppchen, und da ein Happen! Danke an die Crew!...und das nehme ich für alle Fälle auch mal mit. "Ein Läufer der nicht isst...sonst wird er schnell vermisst?"....Kopf hat gewonnen! "Dämonen werden in den Geist eindringen und raten aufzugeben"(Zitat Dean Karanazes)" "lauf weiter" ja..weiterlaufen mit dem selbigen..locker um die Burg, quasi Besichtigungs Tour...







Sie:

Achterbahn, Mördersenke, das letztes Jahr nicht enden wollende Stück nach Bollingen, das Tal der … ziehen vorüber

Er:

...nach der Burg geht´s steil nach oben und dann richtig runter. Vorwärts runter is nicht! Beine versagen Ihrem Befehl, vor allem der linke Oberschenkel schwächelt gewaltig. Plan B: rückwärts runter, ein 100 km Wanderer staunt, vielleicht hat er mich auch nur bedauert, gelacht??? ja 100 km ist kein Kinder-Geburtstag, der Laufstil ist doch egal, das Ziel ist das Ziel! Lehr erreicht, glücklicherweise bergauf-gehen angesagt. Will oben anlaufen Schmerzen im linken Oberschenkel / Hüfte, "hä hättest ja bei 80 aufhören können".Dämone lässt grüßen- Klappe zu!  ich gehe, maschiere, der Schmerz wird ertägbarer.. .Mördersenke rückwärts, ich werde zum Speed-Geher, bei Km 90 Sani, ist nur Muskuläääär, also weiter gehen, Höchstgeschwindigkeit 8,5 Min pro einem KM, aber öfters mehr! (Anmerkung: mehr Minuten-leider) Bollingen erreicht....






Er:

...auf zum letzten Versorgungsstand, Cola,Wasser und Schoki rein, jetzt kommt der schööönst Abschnitt -mein Eldorado-und ich wandere - langsam, ganz langsam. Ich tröste mich damit, daß ich dann ja mehr Eindrücke wahrnemen kann....kein Trost!könnte auf der Stelle heulen...möchte laufen...aber jetzt weiß ich es schon - ich schaff´s! 100 Km Ulm- kommt auf das shirt! Ja! schreite weiter, Meter und Meter die sich zu Km summieren.....






Sie:

und ehe ich mich versehe bin ich nach 12:33:30 Stunden im Ziel.Ich gönne mir eine Massage, in den Waden spüre ich dank der Kompressionsstrümpfe wirklich absolut gar nichts, dafür schmerzen die Oberschenkelvorderseiten umso mehr. Ich hätte mir doch noch die Kompressionstights zulegen sollen, das Geld wäre gut investiert gewesen (Oli, hast Du meine Größe vorrätig?).

Und dann kommt auch schon Dieter Baumanns voll austrainierter Vorzeigeläufer ins Ziel ;-) Geschafft! Jetzt nur noch die Shirts mit dem „Finisher 100 km“ bedrucken lassen und dann ab ins warme Blubberwasser!

Er:

...bis zum 99KM, Häbby! ..nicht mal mehr 1000Meter, höre das Stadion, all den Anfechtungen widerstanden, sind weg, ich fliege dem Ziel entgegen (es gibt auch langsame Flieger), Einlauf ins Stadion, ich gehe, die letzten 200 Meter werden gelaufen, Schmerzen hin oder her, wenn es Bilder gibt, sollte schon ein leichtes laufen erkennbar sein....höre meinen Namen,das tut gut, puscht noch mal, Vorzeigeläufer vom Dieter, austrainiert, das stimmt heute wohl nicht, .....aber Ziel erreicht...

leider das wunderschöne Kiesental nicht erlaufen...ja dann nächstes Jahr?....

 

Herzlichen Glückwunsch an alle 100km Finisher!



Schmerzen werden vergehen - doch der Stolz - der bleibt ewig!

Fazit:

Hammer 100er! Super freundliche und motivierende Helfer, bestens ausgeschilderte Wege auch bei Dunkelheit, lecker Essen, Zieleinlauffotos, kostenloser Eintritt ins Bad Blau,....
 
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