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Ulmer Laufnacht


"...wie die Sonne scheint in ihrer Macht." Off. 1, 16

Sie, die Läuferin:

Freitag, 2. Juli 2010. Nach elf Jahren Abstinenz werde ich endlich wieder einmal 100 km laufen. Zum ersten Mal werde ich nicht alleine unterwegs sein: mein Freund Jürgen wird mich auf dem Rad begleiten. Ich habe gut trainiert, mit vielen langen Läufen, davon zwei 40er. Meine alten Aufzeichnungen zeigen, dass ich bisher nie mehr gemacht habe, eher weniger, also wird es auch diesmal reichen (auch wenn manch einer meint, das wäre doch etwas wenig…). Bevor es losgeht werden erst noch einmal bei der Spätzlesparty die Kohlenhydratspeicher aufgefüllt. Vorsichtshalber nehme ich die Spätzle ohne Soße nur mit etwas Salz und auch nur eine Portion. (Jürgen dagegen holt sogar noch einen Nachschlag. Bei ihm wird in den kommenden Stunden die Energiezufuhr deutlich über dem Verbrauch liegen ;-) )

Er, der Biker:

Das wird mein Erster Einzel 100er in Ulm mit meinem MTB (verunstaltet mit Gepäckträger, Körbchen, Licht,…fehlen nur noch die rosa Bändchen…mein armes Pferd!) Andere „Ultas“ fragen mich wie es in Biel war, rein „zufällig“ habe ich ja das Finisher 100km an, und drücken mir den Gutschein für die Spätzles-Party in die Hand….und bin ja Schwabe…der lässt nichts verkommen..2te volle Portion!

Sie, die Läuferin:

Allmählich wird es dunkel und die Startzeit rückt näher. Von Nervosität noch keine Spur. Schnell noch ein Foto, dann müssen die Radler auch schon los.

 

Er, der Biker:

Die Radler, wir Biker treffen uns um 22:40 am Parkplatz, gemeinsame Abfahrt 22:45 zum Treffpunkt11,5KM –Versorgungsstand. Lockeres fahren, schön warm (noch), die Strebe am Gepäckträger bekommt manchmal Kontakt am Reifen – krrrrrrrrrr! Das waren schwere Spätzla!

 

Sie, die Läuferin:

Sie werden erst bei km 11.5 wieder zu uns stoßen. Wir Läufer dürfen noch das Ballonglühen und das Feuerwerk genießen, bevor auch wir auf die Strecke gehen bzw. laufen. Ich gehe auf 12 Stunden an und finde schnell meinen Rhythmus. Nachdem wir in Arnegg in Richtung Markbronn abgezweigt sind, warte ich auf die angekündigte Steigung, die jedoch ausbleibt, es geht lediglich stetig leicht bergan. In Markbronn werden wir von Kuhglockengeläut empfangen – da kommt fast Biel-Stimmung auf. Und dann kommt doch noch ein steilerer Anstieg, an dessen Ende wir dann schon den höchsten Punkt des ersten Streckenabschnitts erreicht haben. Von nun an geht es bergab und man kann es rollen lassen. Wir passieren km 10 (ich bin genau in der Zeit) und werden uns in Kürze mit den Radlern treffen. Wir finden uns sogar, was (für mich) gar nicht selbstverständlich ist, zumal Jürgen rechts steht und die Radler doch eigentlich auf der linken Seite sein sollten.

 

Er, der Biker:

Wir werden zur rechten Seite gebeten, Räder ohne Ende, so viele 100km Läufer?Wie finde ich da meine Läuferin? Wie machen es da die anderen? Zuerst die Strebe nach oben setzen, Nachtarbeit-Zuschlag?-viel zu schwere Teile von meiner Läuferin? Vielleicht hat der Biker auch in den letzten 3 Wochen leicht zugenommen? Der Erste kommt, wir geben: Beifall erste Staffel – 2te Staffel, Erster 100KM Läufer -mehr Beifall! Einige schreien einfach den Namen des Bikers uns entgegen z.B. Oli von run2 und werden promt so gefunden – klasse! Ob das bei uns auch so klappt? Da brauchst Du ein großes Mundwerk...und Frauen haben am Abend noch viele Wörter übrig (Caveman).Ich gehe zum VPF-Stand mehr Licht, und so finden wir uns. Erster Einsatz, Läuferin zu schnell gelaufen und so Fliege o. äh. im Auge, ich bin für ein „Nachtfliegen-Verbot!“ mit Tuch herausoperiert, Zeitverlust 2Min.

 

 

 

Sie, die Läuferin:

Weiter geht es bergab Richtung Erbach. Der Mond leuchtet wunderschön. Bald schon erreichen wir das Erbacher Stadion. Hier heißt es locker bleiben und in die Kamera lächeln (dank Jürgens Hinweis habe ich den Fotograf sogar wahrgenommen). Alles noch im grünen Bereich. Während sich Jürgen noch durchs Kuchenbuffet isst….

Er, der Biker:

KM 20 Erbach -durch hochkonzentriertes Fahren sind meine Speicher leer – wenigstens fühle ich es so, reine Kopfsache und der Kuchen sieht echt lecker aus – und schmeckte auch so..hmmmm lecker! Noch einen! Mit „Michl“ noch geratscht…Sabine schon weg?.....

 

Sie, die Läuferin:

…laufe ich schon wieder aus dem Stadion hinaus in Richtung Donaustetten, wo wir durch eine Gasse aus Kerzen zum nächsten Versorgungsstand laufen. Auch hier fällt mein Radbegleiter wieder ein gutes Stück zurück. Dabei gab es hier doch gar keinen Kuchen, oder habe ich da etwas übersehen? …

Er, der Biker:

Donaustetten, wunderschöne „Landebahn“ mit Kerzen, richtig romantisch, gut die Beleuchtung, da an meinem Strahler ein rotes Lichtlein leutet - was is dat? Heinzi getroffen, frage Ihn nach einem Kaffee und er wollte mir gleich mal eine Halbe in die Hand drücken, entscheide mich für eine warme Brühe…wo ist den Sabine?....

 

Sie, die Läuferin:

Weiter geht es an Unterweiler vorbei nach Illerkirchberg, von wo ab die Stecke jetzt zunächst an der Iller, dann an der Donau entlang bis nach Unterelchingen nur noch flach verläuft. Unterwegs gibt es noch kurz einen Abstecher über den Klosterhof in Wiblingen. Bei mir läuft es jetzt richtig gut. Mein Plan, bei Nacht, wenn es noch nicht gar so heiß ist, möglichst einen Puffer für den zweiten, schwierigeren Streckenabschnitt herauszulaufen, geht auf. Das Donaustadion und damit km 50 erreiche ich nach 5:43 Stunden. Auch hier halte ich mich nicht lange auf, will gleich weiter. Anders Jürgen, der friert und müde ist. Den angebotenen Kaffee bekommt er leider nicht, da dieser bereits aus ist.

Er, der Biker:

..seit einiger Zeit friere ich richtig, hab noch ein T-Shirt darüber gezogen, Markus: heiße Nacht? Ich: brrrrr! Sah einen Biker mit Handschuhen und langer Hose, Mütze, der ist wohl letztes Jahr mitgefahren.Rotes Lampe am Strahler _ Batteie alle, auch das noch. Schaue nur noch auf den Lichtkegel von den Läufern. ….Freu mich riesig auf den: „erst mal einen Kaffee“ Wärme von Innen und zum Wach-bleiben! Häää ..Kaffee leer? Hab ich da was an den Ohren? Bin doch nicht mit den Ohren gefahren…Für die Einzel 100er und Radbegleiter No Coffy?.....Ächts…. schlafwandelnd fahre ich aus dem Stadion…wenigstens ist es hell...

 

Sie, die Läuferin:

Die Strecke wird jetzt zunehmend monoton. Vor allem das Stück auf dem Damm von Thalfingen bis zur Straße nach Elchingen zieht sich endlos dahin. Mein Magen drückt. Ich hänge mental total durch und beschließe, dieses Stück zu gehen. Ich gehe gern und schnell (bin ich gar eine WALKERIN?) und kann mich dabei erholen. Auf der Straße nach Oberelchingen geht es dann wieder besser. Der Nebel über den Feldern bietet einen schönen Anblick und wird wohl schon bald von der Sonne aufgelöst werden, die schon ziemlich viel Kraft hat, was mir gar nicht so gut gefällt, Jürgen dagegen umso mehr. Der friert nämlich immer noch (bei uns ist sozusagen er die Frau ;-)). Ich freue mich auf die Napoleonrampe. Nach dem langen flachen Abschnitt wird es gut tun, wenn die Muskeln endlich wieder einmal anders belastet werden. Wie beim Briefing angekündigt stehen wir tatsächlich vor einer Wand. Anschließend geht es noch einige Serpentinen hoch, über einen Feldweg und durch den Friedhof zum Versorgungsstand beim Kloster Oberelchingen. Ich trinke Brühe, die meinem Magen gut tut. Jürgen bekommt endlich seinen Kaffee. Jetzt geht es mir wieder gut, auch mental. Einige derjenigen, die mich unten an der Donau überholt hatten, bleiben auch dann noch sitzen, als ich schon wieder weiterlaufe.

Er, der Biker:

…konnte Sabine kaum motivieren, da ich mit der v. Müdigkeit kämpfe, habe sogar einen „Sekundenschlaf“ auf dem Bike, rechts in die Büsche …1m weiter käme die Donau, da wäre ich sofort hell wach gewesen aber auch naß! Elchingen, Sonne kommt…Wärme. Nach der Schiebepassage, Kloster Elchingen in Sichtweite – ob es da einen Kaffee gibt? Dankeschööön! - Kaffee und Kuchen quasi das Frühstück. Fülle noch eine Wasserflasche für Sabine zum „Duschen“ und „Schwamm“ –Kühlung ist wichtig! Meine Läuferin ist mal wieder weg…nur nicht zu lange aufhalten…

 

 

 

Sie, die Läuferin:

Die Strecke ist jetzt abwechslungsreich und landschaftlich sehr schön und mir von meinen Trainingsläufen vertraut. Es geht den Panoramaweg entlang, durch Thalfingen nach Kesselbronn (zum Glück haben sie den Weg freigeschnitten, der war ziemlich zugewuchert) und weiter durch den Gehrn Richtung Jungingen. Bei km 70 hat ein älterer Herr sein Auto geparkt und einen privaten Versorgungsstand mit Wasser, Cola und alkoholfreiem Bier aufgebaut. Welch nette Geste! Besten Dank! Während in Biel ab km 70 die noch bis zum Ziel verbleibenden km angezeigt werden und ich dort jedes Mal denke „Toll, jetzt ist es geschafft. Es sind nur noch 30km“ wird sich dieser Gedanke auf der Ulmer Strecke erst auf der Wilhelmsburg bei km 80 einstellen. Jetzt folgt erst einmal noch ein gerades Stück parallel zur Autobahn in praller Sonne, wo ich viel gehe….

Er, der Biker:

….es wird jetzt richtig warm…fahre voraus, um Sabine einen nassen Schwamm zu reichen….(bin froh, dass es in Biel bewölkt war..möchte jetzt nicht mit Ihr tauschen)

Sie, die Läuferin:

…bis wir endlich in Jungingen ankommen, wo uns einer der besten Versorgungsstände erwartet. Es gibt sogar Butterbrezeln. Genau das Richtige zur Frühstückszeit. Danach läuft es wieder richtig gut bis zur Wilhelmsburg.

Er, der Biker:

..ja, bester Versorgungsstand, 2ter Kaffee mit ..mampf .....Brezel .....mampf...Zusatzstern von mir!* .....laß Dir Zeit mit der Pause......aber die Läuferin...wo ist Sie?........

Sie, die Läuferin:

Ich habe immer noch gut 8 Minuten Puffer bezogen auf eine Zielzeit von 12 Stunden. Jetzt sind es nur noch 20km, allerdings die schwersten der ganzen Strecke. Ein holländisches Paar, dem wir seit dem letzten Donauabschnitt immer wieder begegnet sind, läuft vor mir. Die sehen noch richtig locker aus und entkommen immer wieder ein Stück, bis ich sie beim nächsten Anstieg wieder einhole. Hier macht sich meine Stärke im Gehen bemerkbar (bin ich vielleicht wirklich eine WALKERIN??). Kurz vor der Mördersenke beschließe ich, sie ziehen zu lassen, doch schon beim anschließenden Anstieg habe ich sie doch wieder eingeholt und lasse sie schließlich sogar hinter mir….

Er, der Biker:

….Mördersenke richtiger Name denke ich, es ist heiß, Schwamm und Flasche reichen, kühlen - kühler Kopf ist wichtig, nicht in den roten Bereich kommen….nun ist auch mir warm.....

Sie, die Läuferin:

Weiter geht es nach Mähringen zum Versorgungsposten bei km 90. Ich spüre plötzlich großes Verlangen nach einem Eis. Das haben sie zwar nicht im Angebot, dafür bekomme ich aber immerhin einen Eiswürfel zum Lutschen. Das erfrischt! Nun folgen die härtesten 5km der gesamten Strecke. Es geht nahezu ohne Schatten auf Asphalt, der die Hitze reflektiert, nach Bollingen. Ich glaube, jetzt friert selbst Jürgen nicht mehr.

Er, der Biker:

…wahnsinn, wir sind im Glutofen ..es ist richtig heiß, mir auch! -und da noch laufen?, die Sonne strahlt erbarmungslos – und nirgends ein Schatten, Laufen in der Wüste kommt dem nahe. Fatamorganas tun sich am Horizont spiegeln. Flirrende Hitze! Dickes Danke OG-Team für zusätzliche Wasserstellen! Denke an die Läufer die noch kommen werden, und noch länger dieser Strahlung ausgesetzt sind. Bin froh, dass ich das Bike habe, und die Stollen am Reifen noch kleben.Wann schmelzen die Contis?

 

Sie, die Läuferin:

Bevor es endlich ins Kiesental nach Blaustein geht, kommen wir noch am letzten Verpflegungsstand vorbei (wo sich Jürgen wieder durch das komplette Angebot isst und hier sogar darauf angesprochen wird, ob er nur zum Durchfuttern mitradelt…),

Er, der Biker:

…ja so viel war es ja auch nicht, 2 halbe Zopf Scheiben, aber solche Bemerkungen von Bekannten ..die bekommt man nicht mehr los….Ist der Ruf mal ruiniert…kannst…….! Hab doch einige Stationen ausgelassen. Jungingen - nächstes Jahr nehm ich mir da eine Tupperschüssel mit.....

 

Sie, die Läuferin:

danach geht es auf einen Heideweg, wo die Temperatur gleich viel erträglicher erscheint. Das Kiesental selbst zieht sich dann doch länger hin als erhofft und hält sogar noch einen kleinen Anstieg bereit. Bei km 99 frage ich mich, warum ich eigentlich noch einen km laufen muss, wo doch das Ziel direkt nebenan schon zu sehen ist. Der letzte km erscheint mir dann aber glücklicherweise kürzer als befürchtet und auf der Stadionrunde kann ich sogar noch etwas zulegen.

 

Er, der Biker:

 

…die Läuferin wollte abkürzen - hörte den Stadionsprecher. Aber nicht mit mir! -einem verständnissvollen Radbegleiter: Lauf gerade aus! Es sind nur noch 999 Meter! Da kommt mir der "Komis" Ton zurecht von der "Rommelranch"...(Armee Karserne Ulm-Lehr)

Sie, die Läuferin:

Ich überquere die Ziellinie nach 12:06 Stunden und bin zufrieden, es trotz der äußeren Bedingungen doch fast in meiner angestrebten Zeit geschafft zu haben. Ich setze mich erst einmal in den Schatten, lasse mir Kaffee und Hefezopf bringen, als ich meinen Namen höre. Da werde ich doch tatsächlich zur Siegerehrung gerufen, bin vierte Frau und Dritte in meiner Altersklasse! Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Welch schöner Lohn für die zurückliegenden Mühen!

Ein ganz großes DANKESCHÖN an Jürgen: ohne Deine Unterstützung hätte ich es niemals so gut geschafft!


Er, der Biker:

Herzlichen Glückwunsch zum Einzel 100er !

…die Läuferin zuerst im Ziel mit Kaffee und Kuchen versorgt und die Wünsche -nur Ihre -erfüllt Eis, Eis, Eis!

Tiefer Repekt an alle Einzel 100er, vom Ersten bis zum Letzten, Ihr seit super! schwere Strecke, megaheißes Wetter, mental schwierig da wenig Zuschauer,

Danke an alle Mitarbeiter bei den Versorgungsständen, immer herzlich freundlich......da werd ich wohl auch mal laufen!

Tipps für Radbegleiter:

Ärmlinge, Beinlinge, Jacke, Handschuhe, Mütze,..es wird kälter als Du denkst! war letztes Jahr auch schon so, lt. Infostand.Ersatzbatterien,(Kaffee zum wachbleiben?)

Alpha Foto
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Sie, die Läuferin:

Freitag, 2. Juli 2010. Nach elf Jahren Abstinenz werde ich endlich wieder einmal 100 km laufen. Zum ersten Mal werde ich nicht alleine unterwegs sein: mein Freund Jürgen wird mich auf dem Rad begleiten. Ich habe gut trainiert, mit vielen langen Läufen, davon zwei 40er. Meine alten Aufzeichnungen zeigen, dass ich bisher nie mehr gemacht habe, eher weniger, also wird es auch diesmal reichen (auch wenn manch einer meint, das wäre doch etwas wenig…). Bevor es losgeht werden erst noch einmal bei der Spätzlesparty die Kohlenhydratspeicher aufgefüllt. Vorsichtshalber nehme ich die Spätzle ohne Soße nur mit etwas Salz und auch nur eine Portion. (Jürgen dagegen holt sogar noch einen Nachschlag. Bei ihm wird in den kommenden Stunden die Energiezufuhr deutlich über dem Verbrauch liegen ;-) )

 
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